Also gut, ich hab es wenigstens probiert. Ich wollte Blut spenden. Zum ersten Mal. Alle 2-3 Monate steht ein Blutspendemobil auf unserem Campus. Diesmal wollte ich endlich auch mal. Aber ich darf nicht. Mein HB-Wert ist etwas zu niedrid. Das ist der Hämoglobin-Wert. Zum Spenden muss er mindestens 12 sein, meiner lag nur bei 11. Blöd. Hab mir aber trotzdem Blut abzapfen lassen, was jetzt eingeschickt und untersucht wird und meine Blutgruppe bestimmt wird. Dann bekomme ich schonmal einen Blutspendeausweis ausgestellt. Jetzt heißt es Eisenpräparate schlucken und hoffen, dass der Wert das nächste Mal stimmt. Was tut man nicht alles für einen guten Zweck. Ja, nur für den guten Zweck, denn bei uns bekommt man KEIN Geld für’s Blut spenden, wie an manch anderen Orten. Aber wenn man sich mal überlegt, dass man unter Umständen jemandem das Leben damit retten kann, sollte so ein Pieks hin und wieder ja wohl drin sein, und zwar auch ohne Geld.
Und wer sich nicht regelmäßig stechen lassen will, weil er vielleicht so eine Angst vor Nadeln hat, der sollte sich wenigstens mal überlegen, sich als Knochenmarkspender registrieren zu lassen. Zumindest für die Ersttypisierung ist eine Blutabnahme inzwischen nicht mehr nötig. Das geht inzwischen ganz einfach mit Wattestäbchen. So ein Set kann man kostenlos online bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) anfordern, bequem zu Hause einen Wangenabstrich damit machen und es dann zur Bestimmung der Gewebemerkmale einschicken. Allerdings sollte man auch kein völliger Nadelphobiker sein, denn im Falle einer Stammzellenspende kommt man um ein paar Stiche nicht drumherum. Aber dann geht es ja schon konkret um ein Menschenleben, da sollte man so eine Prozedur schon über sich ergehen lassen können, meint ihr nicht auch?
Auch wenn man sich das Kit für die Typisierung kostenfrei anfordern kann, so entstehen der DKMS für die folgenden Untersuchungen zur Bestimmung der Gewebemerkmale natürlich Kosten, und zwar in Höhe von 50 Euro pro Typisierung. Wer sich also gerne registrieren lassen will, sollte sich mal überlegen, ob er nicht wenigstens einen Teil dieser Kosten übernimmt, und seien es meinetwegen nur 5 Euro. Ich bin selbst ein armer Student und kann mir nicht mal eben 50 Euro leisten, aber 5 Euro kann man auch als Student locker machen. Mal einmal weniger Fastfood futtern oder eben nicht jeden Morgen einen Coffee-To-Go kaufen und schon hat man das Geld zusammen.
Und wenn wir schon beim Leben retten sind – ein Organspendeausweis gehört in jedes Portemonaie! Ganz ehrlich – warum sollen eure Organe in der Erde verroten oder verbrannt werden, wenn ihr damit jemand anderem ein neues Leben schenken könnt? Gut, vielleicht glaubt ihr ja z.B. das Herz sei der Sitz eurer Seele oder sowas, dann könnt ihr das von einer Spende ja auch ausschließen. Überhaupt – es geht da nicht nur um die großen Organe wie Herz, Leber oder Nieren. Selbst mit eurer Haut oder Hornhaut vom Auge könnt ihr Menschen helfen.
Ich wäre ja auch dafür in Deutschland ein System wie in Österreich einzuführen. Anstatt ausdrücklich erklären zu müssen, dass man spenden will, sollte man grundsätzlich zur Spende freigegeben sein und muss stattdessen der Organspende wiedersprechen (So ein System gab es übrigens in der ehemaligen DDR auch. Mal wieder etwas, was man hätte durchaus übernehmen sollen).
Oder es müsste für jeden verpflichtend sein, sich zu äußern, ob man zu einer Spende bereit wäre oder nicht. In solchen Fällen wäre jeder zumindest dazu verpflichtet, sich mit der Thematik überhaupt erstmal auseinanderzusetzen. Mit dem jetzigen System finden zu viele Menschen ständig Ausreden, warum sie keinen Organspendeausweis bei sich haben. Noch nicht drüber nachgedacht, vergessen, keine Zeit.
Keine Zeit haben meist auch die Menschen, die dringend auf Organspenden angewiesen sind. Und unsereins hat eigentlich keine Zeit zu verlieren, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn wie schnell kann es passieren, dass wir vielleicht morgen nicht mehr bei der Arbeit ankommen. Natürlich wünscht man das niemandem, aber sollte mich mal so ein Schicksal ereilen, dann soll es nicht umsonst gewesen sein. Schließlich fehlen mir dann ja ein paar Jahre, in denen ich sonst anderweitig hätte Gutes tun können. Dann soll wenigstens mein letzter Akt ein guter sein.
Also mal ganz fix einen Organspendeausweis besorgen, z.B. zum Ausdrucken am PC oder in jeder Apotheke oder beim Hausarzt, und ab damit in die Geldbörse.
So, 3 Möglichkeiten auf ganz einfache Art Menschenleben zu retten. Da sollte doch für jeden was Machbares dabei sein, oder? Vielleicht auch alles zusammen, wäre um so besser! Mir fehlt dazu nur noch das Blutspenden, aber das krieg ich auch noch hin





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