Skip to content


Ende der Funkstille

Es war still hier die letzten Wochen. Und dabei hatte ich doch erst angefangen mit dem Bloggen. Es ist auch nicht so, als hätte ich nichts zu sagen – ganz im Gegenteil. Die Herausforderung für mich ist, all die Gedanken, Emotionen, Bilder die in meinem Kopf umherwuseln irgendwie auszudrücken, in Worte zu fassen, zu ordnen. Damit bin ich manchmal einfach überfordert. Wie beschreibe ich das am einfachsten? Kennt ihr diese Szene in “Karate Kid”, wo Mister Miyagi versucht die Fliege mit den Essstäbchen zu fangen? Damit einem das gelingt, muss man sich voll und ganz auf diese eine Fliege konzentrieren. In meinem Kopf schwirrt dann aber nicht nur eine Fliege rum, sondern tausende. Und es funktioniert auch nicht einfach wild mit den Stäbchen um sich zu schnappen und zu hoffen eine Fliege, einen Gedanken zu erwischen. Es herrscht einfach Chaos, es summt und flirrt.

Zum Ende der Semesterferien überkommt mich oft so ein Mix aus ganz unterschiedlichen Gefühlen – das Gefühl, endlich wieder zuhause zu sein, angekommen zu sein, aber dann der Gedanke an das Abreisen, das Abschied nehmen. Und plötzlich fühlt man sich schon allein, obwohl man es ja noch nicht ist. Dann ist da dieser innere Kraftschub, weil es wieder ein Neubeginn ist, die Chance Dinge anders zu machen. Und man hat Ideen, was man alles erreichen und verwirklichen will. Und im nächsten Moment sieht man statt dem Meer an Möglichkeiten nur den riesigen Berg an Problemen vor sich, der einem die Sicht versperrt und einem den Atem nimmt. All die Prüfungen, die auf einen warten. Die Erwartungen, die an einen gestellt werden – ausgesprochen oder gefühlt. Die Angst vor dem Versagen, die Angst vor dem was danach kommt.

In diesen Tagen laufe ich manchmal wie benommen durch die Welt, unfähig noch irgendetwas aufzunehmen, zu fühlen. Ich mache einfach zu. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich habe auch noch kein wirkliches Rezept gefunden mich aus diesem Zustand zu befreien. Er kommt, und er geht auch wieder. Aber diese Tage sind schwer wie blei.

Ich bin jetzt seit 1,5 Wochen wieder im “Niemandsland”, die Uni hat wieder angefangen und die ganze Organisation und das Einleben in einen halbwegs geregelten Tagesablauf bringt mich wieder zum Funktionieren. Es lenkt das Chaos in halbwegs geordnete Bahnen. Vorerst.

Ich kann nicht versprechen, dass so eine “Auszeit” nicht wieder passiert. Dieser Blog stellt mich vor ganz neue Herausforderungen. Das war ja auch Sinn und Zweck des Ganzen. Er soll ein Ventil sein, der mich vor dem Überlaufen bewahrt, ein Ort, an dem ich meine Sprache wiederfinde und ein Raum, in dem vielleicht irgendwann nicht nur ein hohles Echo zurückschallt, wenn ich spreche.

Und der Grundstein ist mit diesem Eintrag gelegt, denn ich traue mich das erste Mal etwas wirklich persönliches über mich preiszugeben. Und bevor ich das wieder bereue, schicke ich ihn lieber ganz schnell ab.

Hat dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn doch mit anderen:
  • Twitter
  • Facebook
  • Tumblr
  • email
  • RSS
  • Diigo
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Digg
  • Netvibes
  • Mixx
  • Posterous
  • MisterWong.DE
  • Wikio

Posted in Persönlich.


2 Responses

Stay in touch with the conversation, subscribe to the RSS feed for comments on this post.

  1. Seelendieb says

    Tröste Dich, es wird nur besser mit dem Bloggen :) Zumindest hab ich die Erfahrung gemacht, dass es mit jedem geschriebenen Artikel einfacher wird. Und es zwingt Dich ja auch keiner, hier gnadenloses “seelenstripping” zu veranstalten – die Mischung machts. Wenn Du grad nichts persönliches hast, was Du schreiben möchtest, berichtest Du halt über was anderes (wie mit der Musik). Das kann und wird Dir wohl kaum einer übel nehmen.

    • netzvagabund says

      Vielen Dank für die aufmunternden Worte, lieber Seelendieb! Ich möchte auch gar kein Seelenstripping veranstalten, aber ich habe für mich festgestellt, dass es mir generell immer schwieriger fällt, wirklich Ich zu sein und nicht jemand, der eben gerade von meiner Umgebung erwartet wird. Und das will ich eigentlich gar nicht. Dem will ich Stück für Stück entgegentreten und es fällt eben leichter gegenüber eher Fremden und uneingenommenen Personen, wie hier im Netz, die Masken die man sich Tag für Tag aufsetzt mal etwas zu lüften, als gleich im “real life”. Jedenfalls geht mir das so. Wie und in welchem Umfang dieser Blog dazu beiträgt, wird sich erst noch zeigen. Er ist noch eine große Experimentierwiese.



Some HTML is OK

or, reply to this post via trackback.